Wellnessurlaub: 10 Expertentipps für die richtige Vorbereitung

Symbolbild Wellnessurlaub: Frau liegt in einer Badewanne mit Blumen
Kirsten Posautz
10 Fragen an Sven Huckenbeck

„Sven Huckenbeck ist Spa Direktor im König Ludwig Wellness & Spa Resort Allgäu in Schwangau. Er ist Experte in Sachen Wellnessurlaub. Im Interview spricht er über verschiedene Wellnesstypen, die richtige Planung des Wellnessaufenthalts und die Balance zwischen Genuss und gesundem Wohlbefinden.“

Ein Wellnessurlaub ist für viele Menschen mittlerweile ein Geheimrezept, mit dem sie Stress abbauen, die Akkus aufladen und etwas für die Gesundheit und das seelische Gleichgewicht tun. Damit der Aufenthalt im Wellnesshotel zum positiven und möglichst nachhaltigen Erlebnis zur Optimierung des eigenen Lifestyles wird, sollten Wellnessfans einige Dinge beachten. 10 Tipps vom Spa-Experten Sven Huckenbeck:


Porträt von Sven Huckenbeck

Sven Huckenbeck ist Spa Direktor im Hotel König Ludwig in Schwangau. Er ist dort für die Führung und Weiterentwicklung des 6.600 qm großen Wellnessbereichs zuständig. Zuvor war er als Group Spa Director der Ensana Health Spa Hotels (26 Häuser) u.a. verantwortlich für die Weiterentwicklung der medizinischern Behandlungen und Wellnesstreatments. In Hagen geboren, studierte er an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz Sportwissenschaften und schloss das Studium als Diplom-Sportlehrer (Master of Science) ab. Seine Spa-Karriere begann 2004 im tschechischen Marienbad im Falkensteiner Grand Spa Hotel. Es folgten Stationen in einigen renommierten Häusern in Deutschland und Österreich. Sven Huckenbeck absolvierte verschiedene therapeutische Ausbildungen wie Dorn- und Myoreflextherapie und entwickelte selbst ein „BioBalance„- Konzept zur Wiederherstellung des körperlichen und mentalen Gleichgewichtes. Er wurde mehrfach als Spa-Manager ausgezeichnet.


1. Herr Huckenbeck, gibt es aus Ihrer Erfahrung heraus verschiedene Wellnesstypen unter den Gästen, die unterschiedlich an einen Wellnessurlaub herangehen?

Aber ja! Letztendlich gibt es so viele Wellnesstypen wie Menschen, da diese aufgrund von Lebenssituation und persönlichen Erfahrungen sehr individuelle Bedürfnisse haben. Und es gibt Gäste, die ihren Aufenthalt anhand der Broschüre planen – andere lassen sich gerne beraten. Es gibt die aktiven Selbstgestalter des Aufenthaltes inklusive Sightseeing, Wanderungen oder Sporteinheiten, die sich dann eine sehr individuelle Kombination der vielfältigen Angebote zusammenstellen. Dann gibt es noch die klassischen Ruhe-Genießer, die das Baden und Saunieren in den Fokus stellen und mit kosmetischen- und/oder Entspannungsbehandlungen ihr persönliches Anti-Stress-Programm gestalten.

2. Macht es für die Gäste Sinn, dass sie das Hotel bewusst entsprechend ihrem Typ auswählen  – beispielsweise mit Fokus Sport oder Fokus Relaxen etc. –, um maximal von ihrer Auszeit zu profitieren?

Das macht durchaus Sinn. Es gibt ja die unterschiedlichsten Motive für eine Reise und auch für eine Wellnessauszeit. Der Markt hat einige neue, teils exotische Konzepte zum Vorschein gebracht. Bei uns im Allgäu steht beispielsweise direkt vor der Tür eine wundervolle Bergwelt inklusive Königsschlösser, die für alle möglichen sportlichen Aktivitäten perfekte Bedingungen liefert. Zum guten Schluss lohnt sich ein Blick in das Behandlungskonzept. Wie durchdacht und abgestimmt sind die Anwendungen und welcher philosophischen Richtung folgen die Behandlungen? Gibt es einen roten Faden?

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Wellnessurlaub: Frau sitzt in der Sauna

3. Würden Sie Wellnessgästen empfehlen, ihre Erwartungen an den Aufenthalt vorab für sich zu definieren und sie im Hotel gleich zu Beginn mit dem Spa-Personal abzustimmen?

Oft fällt es den Gästen nicht leicht, ihre eigenen Bedürfnisse zielsicher zu bestimmen – schließlich sind nicht alle Profis. Daher ist es Aufgabe des Spa-Personals, geduldig und zielgerichtet Fragen zu stellen, um genau diese Bedürfnisse herauszufinden und mit Empfehlungen bestmöglich zu erfüllen. Bestimmte Themen als Paket anzubieten kann dem Gast die Planung erleichtern. Im König Ludwig haben wir uns beispielsweise entschieden, Themen-Wochenenden zu entwickeln, um den Gästen perfekt durchgestaltete Erlebnistage anzubieten.

4. Oder wäre es sogar hilfreich, vorab Kontakt mit dem Spa-Personal aufzunehmen und sich Empfehlungen für Anwendungen und ein Sportprogramm geben zu lassen, um im schlechtesten Fall nicht nehmen zu müssen, „was übrig bleibt“?

Für eine ideale Planung ist das unbedingt zu empfehlen. Je spezieller die Wünsche sind, umso anspruchsvoller wird auch die Terminplanung. Unter Berücksichtigung bestimmter Abhängigkeiten zwischen einzelnen Behandlungen und den dazu gehörigen Spezialisten kann ein schlüssiges Programm schon zu einer Tüftelei werden. Auch kleine Terminfenster können sehr gute Ergebnisse liefern. Ein perfekter Wellnessaufenthalt bedarf einer guten Vorbereitung, damit die Tage in Harmonie und Leichtigkeit ablaufen können.

5. Reicht ein Zwei-Tages-„Quickie“ oder müssen es ein bis zwei Wochen sein – ab wann bringt der Wellnessurlaub einen positiven Effekt?

Schon ein Zwei- bis Drei-Tagesprogramm kann unter Umständen kleine Wunder bewirken. Bei gezielter Stimulation nimmt unser Körper wesentliche Informationen mit nach Hause. Insbesondere im Bereich der Körperarbeit ist es möglich, sehr wirksame Impulse zu setzen, die mit zusätzlichen Tipps im Sinne eines Lifestyle-Coachings besonders nachhaltige Effekte erzielen.

Symbolbild Wellnessurlaub: gestapelte Steine in einem Garten

6. Wie sollte der Wellnessurlaub am besten geplant werden – als ein langer Aufenthalt am Stück oder aufgeteilt auf mehrere Wellnesswochenenden? Was macht vom Erholungswert mehr Sinn?

Hierzu gibt es leider noch keine wissenschaftlichen Studien. Dennoch ist es wie mit dem Zähneputzen – einmal im Jahr reicht nicht. Wohlfühlen und Achtsamkeit gegenüber sich selbst sollte zum Lebenskonzept dazugehören und regelmäßige Aufmerksamkeit erhalten. Nur einmal im Jahr Sport zu treiben, hat keinen Effekt. Meine Empfehlung ist daher die regelmäßige Planung von Wellnessauszeiten, in denen das Wohlbefinden genau wie in einem professionellen Trainingsprozess durch kontinuierliche und fachlich kompetente Betreuung weiterentwickelt werden kann.

7. Sollte ich als Gast ruhig auch einmal etwas ausprobieren, das ich sonst in meinem Alltag nie mache, oder gilt das Motto: Schuster bleib bei Deinen Leisten?

Hier sehe ich die besondere Aufgabe der Spa-Branche. Während eines Aufenthaltes in einem Wellnesshotel haben die Gäste Zeit und Muße, sich auf sich selbst zu konzentrieren. Im Hotel lassen sich Wohlbefinden und Aspekte eines gesunden Lebensstiles als besonderes Erlebnis vermitteln. Im Moment der Berührung ist der Gast im „Jetzt“. Behandlungen, die das vegetative Nervensystem stimulieren, wirken dem Alltagsstress entgegen. Dazu ist professionelles Know-how gefragt. Eine Ganzkörpermassage ist zwar schön – eine kosmetische, sanfte Körperbehandlung kann jedoch sehr viel tiefere Entspannung bewirken, wenn die entsprechende Kombination aus Produkt und Manual fachgerecht aufeinander abgestimmt sind.

Wellnessurlaub im Schwarzwald

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Wellnessurlaub: Frau bekommt eine Kopfmassage

8. Viel hilft viel ist eine Binsenweisheit – wie findet der motivierte Wellnessgast das richtige Maß an Treatments und Aktivitäten?

Die beste Empfehlung ist zunächst die Spa-Rezeption, denn hier wird entschieden, welche Experten für die jeweiligen Bedürfnisse zu Rate gezogen werden können. In besonders gut aufgestellten Häusern steht ein zusätzlicher Life-Coach zur Verfügung, um aus den wesentlichen Motiven ein rundes Programm zu gestalten oder mit weiterführenden Coaching-Maßnahmen ein nachhaltiges Wohlfühlen zu ermöglichen.

9. Einfach mal gar nichts tun, das Aktivprogramm ignorieren und mich im Ruheraum mit einem Buch auf die Schwebeliege lümmeln – ist das eigentlich auch Wellness?

Unbedingt – zur Ruhe kommen ist absolut notwendig. Inspiration ist zudem ein wesentlicher Faktor für ein glückliches und spannendes Leben.

Gesundes Essen auf einem Teller

10. Die Krux mit dem Essen: Wie finde ich in einem Hotel mit den oft üppigen Angeboten und Verlockungen die richtige Balance zwischen Genuss und gesundem Wohlbefinden?

Eine gesunde Küche sollte zu den Basics eines guten Wellnesshotels zählen. Das ist leider immer noch nicht die Regel. Wer ein Wiener Schnitzel als Wellnesskost deklariert, hat etwas Wesentliches missverstanden. Unsere Ernährung hat viele wundervolle Facetten; eine natürliche Ernährung ist der Schlüssel zu unserer Gesundheit und Immunkompetenz. Auch hier haben Wellnesshotels die Möglichkeit, neue Erlebnisbereiche zu kreieren. Ein engagierter und kreativer Küchenchef kann wahre Wunder vollbringen, denn Berühren kann man nicht nur auf der Haut, sondern auch im Mund.


10 Tipps vom Experten zusammengefasst

  1. Jeder Wellnessgast ist verschieden und hat individuelle Bedürfnisse.
  2. Das passende Wellnesshotel sollte den eigenen Wünschen entsprechend ausgewählt werden.
  3. Stellen Sie zusammen mit dem Spa-Personal das optimale Wellnessprogramm zusammen.
  4. Ein perfekter Wellnessaufenthalt bedarf einer guten Vorbereitung. Eine rechtzeitig vor dem Urlaub abgesprochene Terminplanung von Behandlungen und Anwendungen macht deshalb Sinn.
  5. Schon kurze Zwei- bis Drei-Tagesprogramme können bei gezielter Stimulation Wunder bewirken.
  6. Kurze, regelmäßige Wellnessauszeiten sollten in die Jahresplanung einbezogen werden.
  7. Vertrauen Sie auf die Expertise des geschulten Spa-Personals.
  8. Die Spa-Rezeptionen vermitteln Ihnen für jedes Bedürfnis den richtigen Experten.
  9. Lassen Sie sich nicht stressen. Zur Ruhe kommen ist absolut notwendig.
  10. Natürliche Ernährung ist der Schlüssel zu unserer Gesundheit. Diese sollte auch in den Wellnessurlaub eingebaut werden.